Tim Kirchhoff Blower-Door-Test beim Neubau: Aussagekraft und Ablauf
Der Blower-Door-Test beim Neubau eines Hauses hat eine enorme Aussagekraft in Bezug auf die Gebäudedichtheit. Mit ihm können nicht nur versteckte Baumängel aufgedeckt werden, sondern er hilft auch nach dem Einzug beim Heizkosten sparen. Mit dem folgenden Artikel möchten wir näher auf den Ablauf der Blower-Door-Messung eingehen.
Aufdecken von Undichtigkeiten in der Gebäudehülle: Mit dem Blower-Door-Test werden Schwachstellen und Lecks an Türen, Fenstern, Anschlüssen und auf der Dichtungseben der Gebäudehülle aufgedeckt.
Luftwechselrate 50 Pa bei der Messung: Der gemessene Wert n₅₀ zeigt, wie oft das Gebäudevolumen pro Stunde bei 50 Pascal gewechselt wird. Je kleiner der Wert, umso besser die Luftdichtheit.
Mehr Wohnkomfort und Heizkosten sparen: Werden entdeckte Lecks abgedichtet, lassen sich sowohl der Energieverbrauch senken als auch der Wohnkomfort erhöhen, da Zugluft verhindert wird.
In Fachkreisen wird der Blower-Door-Test auch als Differenzdruck-Messverfahren bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein Prüfverfahren, welches als Nachweis für die Luftdichtheit beim Bau eines Passivhauses dient. Dabei werden nicht nur Lecks in der Gebäudehülle aufgespürt, sondern auch die Luftwechselrate, der sogenannte n₅₀-Wert bestimmt.
Der Blower-Door-Test ist dabei weit mehr als nur ein Indikator für Zugluft. Er dient als Bestandteil der modernen Qualitäts- und Energieeffizienzkontrollen und kann helfen, Wärmeverluste zu vermeiden. Des Weiteren dient der Blower-Door-Test dem Bauschadensschutz. Dabei wird sichergestellt, dass durchströmende warme Raumluft nicht in der Dämmung kondensieren und zu Schimmel oder Feuchteschäden führen kann.
Wird ein Haus nach energetischen Standards errichtet, dann ist der Nachweis der Luftdichtigkeit (Differenzdruckmessung) zwingend erforderlich.
Ziel beim Blower-Door-Test ist es, die Luftdichtheit der Gebäudehülle zu überprüfen. Mit dem Blower-Door-Verfahren lässt sich eine ungewollte bzw. unkontrollierte Luft-Leckage entdecken. Dies stellt die Energieeffizienz des Hauses sicher, indem bei den Heizkosten gespart und gleichzeitig ein gesundes Raumklima sichergestellt werden kann. Des Weiteren lassen sich Schimmelbildung und Feuchteschäden in der Dämmung durch das Durchströmen mit feuchter und warmer Raumluft verhindern, welche zu Schäden an der Bausubstanz führen können.
Beim Blower-Door-Test, dem Differenzdruck-Messverfahren wird die Luftdichtheit eines Gebäudes überprüft. Der Ablauf umfasst vier Phasen, welche sich in Vorbereitung, Leckageortung, eigentliche Druckmessung und Dokumentation unterteilen.
Das Verfahren beim Blower-Door-Test basiert auf dem Druckunterschied zwischen dem Gebäudeinneren und der Außenluft. Bevor die Messung beginnt, werden alle absichtlichen Öffnungen wie Fenster und Türen geschlossen. Vorhandene Lüftungsanlagen oder Dunstabzugshauben müssen vorübergehend abgedichtet werden. Im Anschluss daran wird in eine Außentür des Hauses ein Rahmen mit einem regelbaren Ventilator zur Gebläse-Tür-Messung eingesetzt. Der Ventilator erzeugt künstlich einen Unter- oder Überdruck, welcher in der Regel 50 Pascal (Pa) beträgt. Dadurch lassen sich Leckagen in der Gebäudehülle aufspüren und die Luftwechselrate berechnen.
Die Messung beim Blower-Door-Test liefert genaue Kennzahlen, welche Aufschluss über die Energieeffizienz und die Bauqualität geben. Im Detail sieht das folgendermaßen aus:
| Kennzahlen | Hinweise |
| Volumenstrom (V) | Dabei wird gemessen, wie viel Kubikmeter Luft pro Stunde (m³/h) der Ventilator bewegen muss, um einen konstanten Druck von 50 Pascal im Gebäude aufrechtzuerhalten. |
| Luftwechselrate (n₅₀) | Mit diesem Wert wird angegeben, wie oft das gesamte Luftvolumen des Hauses pro Stunde ausgetauscht wird, wenn 50 Pa Druck anliegen. Bei einem Neubau mit Lüftungsanlage liegt der zulässige Wert bei maximal 1,0. |
| Leckageortung | Es werden Schwachstellen wie undichte Fensterfugen, fehlerhafte Dampfsperren im Dach oder Durchdringungen für Kabel lokalisiert. |
| Mehrgenerationenhaus | ab 2 |
Der zentrale n₅₀-Wert gibt an, wie oft das gesamte Luftvolumen im Gebäude bei einem Druck von 50 Pascal pro Stunde unkontrolliert ausgetauscht wird.
Je niedriger der Wert ist, umso luftdichter und energieeffizienter ist das Gebäude. Im Detail bedeutet dies, dass bei einem Wert von 1,5 h⁻¹ sich die Luft innerhalb von 60 Minuten 1,5-mal durch Fugen und Spalten erneuert.
Gemäß dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) gelten folgende Richtwerte:
Ohne kontrollierte Lüftungsanlage: Maximal 3,0 h⁻¹ erlaubt.
Mit kontrollierter Lüftungsanlage: Maximal 1,5 h⁻¹ erlaubt.
Passivhäuser: Hier gelten strengere Vorgaben, meist sind nur < 0,6 h⁻¹ erlaubt.
Der Blower-Door-Test läuft in verschiedenen Phasen ab, welche wir im Folgenden näher erläutern möchten.
Die Vorbereitung erfolgt nach strengen Regeln. Als Erstes muss das Gebäude „luftdicht abgeschlossen“ werden. Dazu werden alle Fenster und Außentüren geschlossen. Die Innentüren im Haus dagegen müssen offen bleiben. Des Weiteren müssen absichtlich geplante Öffnungen wie Dunstabzugshauben, Kaminöfen oder Lüftungsanlagen temporär luftdicht verschlossen bzw. abgeklebt werden. Zusätzlich müssen Siphons in Abflüssen wie Toilette und Waschbecken mit Wasser gefüllt werden, damit keine Luft entweichen kann.
Im Rahmen der normgerechten Vorbereitung für den Blower-Door-Test werden vom FLiB e.V. (Fachverband für Luftdichtheit im Bauwesen) Checklisten zur Verfügung gestellt, um Fehlmessungen zu vermeiden.
Am Haus, bei welchem der Blower-Door-Test durchgeführt werden soll, wird ein spezieller Rahmen (Blower Door) in eine Außentür oder in ein Fenster eingesetzt und mit einer reißfesten Plane abgedichtet. In der Plane ist ein kalibrierter, leistungsstarker Ventilator eingebaut.
Der Ventilator saugt die Luft aus dem Gebäude. Dadurch wird im Haus ein Unterdruck von ca. 50 Pascal erzeugt. Durch den entstehenden Sog strömt die Abluft durch jede noch so kleine undichte Stelle in der Gebäudehülle. Der Experte geht durch das Gebäude und lokalisiert die Leckagen. Dies geschieht wahlweise durch Fühlen, mit einem Anemometer (Messgerät), künstlichem Rauch oder mit einer Thermografie-Kamera.
Bei der eigentlichen Messung wird mit dem Ventilator Luft in das Gebäude geblasen (Überdruck) und anschließend wieder abgesaugt (Unterdruck). Das Messgerät erfasst automatisch, wie viel Luft der Ventilator fördern muss, um definierte Druckstufen (bis 50 Pa) zu halten. Anhand dieser Werte kann ein Computer den sogenannten n₅₀-Wert errechnen, womit die Luftwechselrate angegeben wird.
Sobald der Blower-Door-Test beendet ist, wird die komplette Messtechnik zurückgebaut. Der Energieberater berechnet anhand der Kennzahlen die Luftwechselrate und dokumentiert alle erkannten Leckagen.
Hausbesitzer erhalten ein offizielles Mess- bzw. Prüfprotokoll, welches bescheinigt, ob die gesetzlichen Anforderungen oder die gewünschten Förderstandards wie zum Beispiel für ein KfW-Effizienzhaus erfüllt werden. Somit dient der Blower-Door-Test nicht nur dem Einhalten der Qualitätsstandards, sondern auch um entsprechende Förderungen zu bekommen.
Der Blower-Door-Test kann zu verschiedenen Zeitpunkten im Bauprozess durchgeführt werden. Grundsätzlich lassen sich drei Varianten unterscheiden.
Energieberater empfehlen die baubegleitende Messung während der Bauphase. Dazu sollte die Dampfsperre/Luftdichtheitsebene bereits eingebaut sein. Im Idealfall sollte für den Blower-Door-Test durchgeführt werden, wenn der Estrich noch nicht verlegt und Trockenbauwände noch nicht angebracht sind. Grund hierfür ist, dass Leckagen sich leicht von den Energieeffizienz-Experten lokalisieren lassen und noch ohne großen Aufwand korrigiert werden können.
Eine weitere Möglichkeit für den Blower-Door-Test ist nach der finalen Fertigstellung des Hauses. Diese Messung dient als offizieller Nachweis für Behörden oder Förderbanken, wenn Förderprogramme in Anspruch genommen werden sollen.
Bei diesem Verfahren wird eine baubegleitende Messung und eine spätere Abnahmemessung durchgeführt. Die folgende Tabelle gibt Aufschluss über den richtigen Zeitpunkt und das Ziel.
| Art der Messung | Zeitpunkt | Ziel |
| Im Rohbau (während Bauphase) | Nachdem Dampfsperre, Folien, Fenster und Putz eingebaut sind - allerdings bevor der Innenausbau mit Dämmschichten und Trockenbauwänden die luftdichten Ebenen verdeckt. | Leckagen in der Gebäudehülle werden sofort sichtbar. Sofern diese leicht zugänglich sind, können sie kostengünstig behoben werden. |
| Nach Fertigstellung (Schlussmessung) | Sobald das Gebäude bezugsfertig ist bzw. die luftdichten Anschlüsse abgeschlossen und alle Bauteile final montiert sind. | Messung dient der Überprüfung im Rahmen der offiziellen energetischen Abnahme. Sie liefert den erforderlichen normkonformen Gebäudeenergiegesetz- oder KfW-Nachweis, um Fördermittel zu erhalten. |
Hierzu kann keine pauschale Aussage getroffen werden, da der genaue Preis von verschiedenen Faktoren abhängt.
In Deutschland bewegen die Preise sich für einen Blower-Door-Test zwischen 300 und 600 Euro für ein durchschnittliches Einfamilienhaus. Für ein Mehrfamilienhaus oder sonstige größere Gebäude steigen die Kosten aufgrund des größeren Volumens auf 600 bis 1.200 Euro an.
Die wesentlichen Einflussfaktoren für die Kosten Blower-Door-Test sind:
Gebäudegröße und -komplexität – Um die Kosten für den Luftdichtheitstest zu ermitteln wird das Netto-Innenvolumen beim Gebäude gemessen. Je größer dies ist, umso aufwendiger ist die Messung.
Leistungsumfang – Mit einem reinen Basis-Test wird nur die Luftdichtheitsrate geprüft. Wünschen Eigentümer zusätzlich eine Leckageortung, das Aufspüren und Dokumentieren von Undichtigkeiten, fallen im Schnitt ca. 100 bis 150 Euro an Aufpreis an.
Zweck der Messung – Der einfache Leckagesuchtest während der Bauphase ist günstiger als die normgerechte Schlussmessung inklusive offiziellem Zertifikat für die KfW-Bank.
Region und Anbieter: Die Kosten für den Blower-Door-Test variieren je nach Region und Anbieter deutlich. Es lohnt sich daher einen gezielten Preisvergleich vorzunehmen, um das beste Angebot zu bekommen.
Der Blower-Door-Test ist ein unverzichtbares Instrument, wenn es darum geht die Qualität rund um den Bau, die Energieeffizienz und die Wohngesundheit zu beurteilen. Es werden unsichtbare Leckagen aufgedeckt, was wiederum zuverlässig vor hohen Heizkosten schützt und gleichzeitig Zugluft sowie Schäden durch Schimmelbildung verhindert.
Der richtige Zeitpunkt für den Blower-Door-Test ist, während der Rohbauphase, da sich Baumängel unkompliziert und kostengünstig korrigieren lassen. Beim Bau eines KfW-Effizienzhauses ist der Blower-Door-Test obligatorisch, um nachzuweisen, dass die Förderkriterien erfüllt wurden.
Der Blower-Door-Test ist ein standardisiertes Messverfahren zur Überprüfung der Luftdichtheit eines Gebäudes. Ziel vom Blower-Door-Test ist es unkontrollierte Leckagen in der Gebäudehülle aufzuspüren, um später die Heizkosten niedrig zu halten, Zugluft zu vermeiden und feuchtigkeitsbedingte Bauschäden zu verhindern.
Es besteht in Deutschland keine generelle Pflicht zur Durchführung eines Blower-Door-Tests. In Paragraph 13 schreibt das Gebäudeenergiegesetz zwar das luftdichte Bauen eines Gebäudes vor, allerdings ist die messtechnische Überprüfung nur unter bestimmten Bedingungen zwingend erforderlich.
Im Schnitt ist mit einer Dauer von 1,5 bis 2 Stunden zu rechnen.
Rechtlich gesehen, darf man den Blower-Door-Test selbst durchführen, da die Messung in Deutschland an keine gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung gebunden ist. Jedoch ist ein selbst durchgeführter Blower-Door-Test kein offizieller Nachweis wie er vom GEG oder der KfW-Bank verlangt wird.
Dies bedeutet zunächst, dass die gesetzlichen und vertraglich vereinbarten Grenzwerte für Luftdichtheit der Gebäudehülle überschritten wurden. Ein solches Ergebnis bleibt nicht ohne Konsequenzen, kann aber korrigiert werden.
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